Stefan Bohrer
FC Staad
FC Staad
Diese Fussballerinnen spielen auf der Sonnenseite

Der FC Staad setzt voll auf Solarkraft

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Der FC Staad spielt im Ostschweizer Fussball eine Pionierrolle. Sein Frauen-Team lieferte dem FC St. Gallen die Basis für einen Platz in der Nationalliga A. Und mit dem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und dem Bau einer Solaranlage setzt er Massstäbe.

Chancengleichheit und Inklusion sind Schlüsselfaktoren im Nachhaltigkeitsprogramm der UNO. Und es sind Werte, die im Fussball von zentraler Bedeutung sind. So hat die Entwicklung des Frauenfussballs in den vergangenen Jahren markant an Fahrt aufgenommen. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist das Bekenntnis des Schweizer Verbands im vergangenen Juni, die Erfolgsprämien von Männern und Frauen anzugleichen. 

Staad, dieser malerische Ort mit 2500 Einwohnern in der Gemeinde Thal am Bodensee, mag im Schweizer Fussball auf den ersten Blick keine Schlüsselrolle spielen. Die Männer-Equipe des 1960 gründeten lokalen FC spielt in der Anonymität der 3. Liga. Ihr grösster Erfolg war der Ostschweizer Meistertitel 1989 und die Qualifikation für die Aufstiegsspiele zur 1. Liga. In den ersten 13 Jahren seines Bestehens spielte der FCS auf dem Gelände des Flugplatzes Altenrhein. 1973 erstellte die Gemeinde im Bützel eine eigene Sportanlage.

Ein echte Pionier(innen)-Rolle

Es ist exakt das Terrain, auf dem eine erstaunliche Geschichte geschrieben wurde – aber erst, nachdem der Klub 1992 eine Frauenabteilung gegründet hatte. Die tapferen Staaderinnen spielten in der Ostschweiz eine echte Pionier(innen)-Rolle, arbeiteten sich Liga um Liga nach oben und stiegen 2003 in die Nationalliga A auf. Damit waren sie der Konkurrenz aus dem grossen St. Gallen meist einen Schritt voraus. Mit der sukzessiven Professionalisierung des Frauenfussballs und der Einbindung der nationalen Topklubs wurde die Luft aber immer dünner. 2017 stiegen die Frauen des FC Staad aus der Nationalliga A ab. So war die Kooperation mit dem FC St. Gallen die einzige Lösung, die gesammelten Erfahrungen weiterhin in den Frauenspitzenfussball einzubringen. Mittlerweile hat der Verein seinen festen Platz in der höchsten Liga – allerdings unter dem Label «FC St. Gallen». Staad als Name ist verschwunden, und die Heimspiele werden auf dem Espenmoos in der Stadt Gallen ausgetragen. 

Der Pioniergeist aber ist geblieben. Von den 22 Teams im Verein sind fünf Frauen und Mädchen vorbehalten. Cornel Rüst, seit fünf Jahren Präsident des Klubs, sagt: «Gleichberechtigung und Integration sind zentrale Themen. So zählen wir beispielsweise in unserem achtköpfigen Vorstand drei Frauen.» Patricia Willi, Sportchefin in der Frauenabteilung des FC St. Gallen mit Wurzeln in Staad, ergänzt: «Wir wollen nachhaltig arbeiten und den Nachwuchs fördern – und so gut sein und so ideale Rahmenbedingungen bieten, dass die Fussballerinnen länger bei uns bleiben und dann vielleicht direkt ins Ausland wechseln.»

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Fahrgemeinschaften und Zugreisen

Das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit erstreckt sich beim FC Staad aber schon längst durch viele andere Bereiche. So erhielt der Verein von der Interessensgemeinschaft St. Galler Sportverbände für seinen beispielhaften Umgang mit Integration und Inklusion das Label «Sport-verein-t». Für Präsident Rüst ein ganz wichtiges Zeichen: «Dies motiviert uns, den eingeschlagenen Weg noch konsequenter weiter zu gehen.» Dieser Weg umfasst unter anderem das vegetarische Angebot im Restaurant des Klubhauses und eine straffe und vernünftige Organisation der Fahrten an die Auswärtsspiele der Mannschaften. Rüst: «Dazu gehören Fahrgemeinschaften, aber auch Zugreisen – auch wenn diese mit einem höheren Zeitaufwand verbunden sind.»

Cornel Rüst selber ist beruflich als Bereichsleiter Gebäudeenergie bei den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich tätig. So lag es für ihn auf der Hand, dass er sein Knowhow in Sachen nachhaltiger Energieproduktion in den Fussballklub trägt. In den nächsten sechs Monaten möchte der FC Staad auf dem Dach seines Klubhauses eine kombinierte Solaranlage zur Strom- und Wärmeproduktion installieren. Schliesslich ist die Lage am Südufer des Bodensees für die Sonneneinstrahlung ideal. Die Spielerinnen der 1. Mannschaft haben deshalb schon mal mit Sonnenbrille trainiert (nur für unseren Fotografen natürlich).

Damit liefert er einerseits ein Bekenntnis zur Ökologie, andererseits kann der Verein, der in seinem Klubheim für Gas-, Wasser und Stromkosten aufkommen muss, effizient Geld sparen. Bei den steigenden Rohstoff- und Strompreisen (von 2021 bis 2023 von 8000 auf 16‘000 Franken für den Klub) ist dies ein nicht zu unterschätzender Betrag. Für Rüst bildet der Kostenfaktor aber nur einer der Motivationsgründe: «Wir wollen zeigen, dass man auch als vergleichsweise kleiner Klub im Breitensport etwas bewirken kann. Anderseits darf man sich heute nicht mehr darauf verlassen, dass das Gas automatisch fliesst.» Wäre heute dieser Rohstoff plötzlich nicht mehr verfügbar, hätte dies für den Klub massive Konsequenzen: «Wir könnten den Betrieb des Klublokals mit dem Restaurant und den vier Garderoben kaum mehr garantieren.»

Die Solaranlage ist ein wichtiger Punkt in der ökologischen Nachhaltigkeitsstrategie – aber bei weitem nicht der einzige. Unter anderem sollen die Flutlichtmasten des Allwetterplatzes auf LED umgestellt und die Fenster im Klubhaus ersetzt werden. Diesbezüglich zieht der Klub einen Energieberater bei. DAS GRÜNE TRIKOT stellt diese Beratung kostenlos zur Verfügung.

Die Beteiligung an DAS GRÜNE TRIKOT passt perfekt in die Klubphilosophie. So ist der FC Staad in Sachen Nachhaltigkeit vielen Schweizer Sportvereinen mindestens einen Schritt voraus. Nur in einem Punkt zögert Cornel Rüst noch – das kulinarische Angebot um eine vegetarische Bratwurst zu ergänzen. Schliesslich weiss er genau: Irgendwo hört in St. Gallen der Spass auf.

Erste Veröffentlichung:
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Letztes Update: 
23.11.2022

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